Donnerstag, 2. oktober 2008 4 02 /10 /2008 19:07

ich beneide die briten.

sie leben in einem tollen land. sie können lauter tolle städte besuchen. sie habe strände aus steinen. sogar palmen. und überhaupt haben sie tolle landschaften. und auch tolle museen.

sie haben quasi von geburt an großartigen humor und klingen so toll, wenn sie sprechen. sie können die weltbesten marienkäfergesichter machen. außerdem haben sie eddie izzard! und gary larson.

sie essen zwar manchmal echt eklige sachen, aber dafür haben sie die besseren chips. bessere comedy und tollere krimis. sie können serien kaufen, von denen wir hier nur träumen können. sie haben wundervolle buchläden und keine buchpreisbindung. sie haben fruit jelly von m & s. sie haben nicht nur starbucks, sondern auch costa coffee.

sie haben tolle namen, die irgendwie so gar nicht albern klingen mögen. ihre freunde heißen dann millie oder elliott, von den wundervollen nachnamen ganz zu schweigen. sie wohnen in soundso-upon-soundso oder king´s irgendwas. und es klingt nicht bescheuert, wenn sie in irgendwo, west sussex wohnen. oder am besten noch in zuhause, surrey. das sollte hier mal einer sagen. ich wohne in w., landkreis ammerland. pff.... vollkommen undenkbar.

darum beneide ich die briten. und werde jetzt noch schnell eine mail ins claim department nach croydon schicken. mal fragen, ob es neuigkeiten von elliott gibt.
von Claude
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Mittwoch, 1. oktober 2008 3 01 /10 /2008 19:21

heute mittag schoss mir noch der gedanke durch den kopf, dem liebsten herrn lehrer eine abschiedsmail zu schicken.

anscheinend kann der solche gedanken riechen. eben blippte nämlich mein icq-fenster auf und wer wars? der lehrer. er ist... naja... er ist eben der lehrer. ich krieg das grinsen grad nicht mehr aus dem gesicht.
von Claude
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Mittwoch, 1. oktober 2008 3 01 /10 /2008 08:39

heute habe ich einen freien nachmittag. eigentlich zeit genug, um sich endlich um die fertigstellung diverser baustellen zu bemühen. verhindert wird dies nun aber von jack & zena.

statt selbst zu schreiben werde ich mich gleich lieber meinem buch widmen. kennt es vielleicht sogar einer von euch? jack ist engländer, zena ist eine pakistani und von geburt an dem neffen ihres vaters versprochen. jack & zena sind ein paar und fliehen, um zena vor der zwangsheirat zu bewahren. zenas familie fasst das überhaupt nicht gut aus, und so sind jack & zena dann eben mit wenig gepäck, ohne finanzpolster und mit todesangst auf der flucht vor zenas familie. ein wirklich interessantes buch, welches ich wohl unter anderen umständen nie zu lesen bekommen hätte. es hat halt doch so seine vorteile, wenn man als büchereiküken unmengen an aussortierten büchern aus dem bestand entfernen muss. hin und wieder stößt man dabei nämlich auf angenehme überraschungen.

tjaja... und weil das buch so toll ist, werde ich jetzt lieber schnell weiterlesen.

mh. und ansonsten hat die ehemals beste anfang der woche ganz großspurig einen besuch in deutschland avisiert. sie würde am dienstag dann rauf fahren und könnte am mittwoch auf einen tee vorbeikommen. meine mutter ist jetzt natürlich hellauf begeistert, mich hingegen interessiert das überhaupt nicht. sie wird sowieso entweder gar nicht oder aber erst sehr spät auftauchen. ich bevorzuge da die erste möglichkeit. lieber gar nicht als spät und dann womöglich auch noch so spät, dass ich hier alleine vertreten bin und mich tatsächlich mit ihr unterhalten muss. momentan steht mir der sinn nicht gerade nach, mit ihr zu sprechen.
von Claude
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Montag, 29. september 2008 1 29 /09 /2008 22:15

erfreut entdeckte ich bei fudge im blog einen beitrag über vergangene zeiten. zwar haben diese vergangenen zeiten mit meinen aktuellen gedankengängen nicht wirklich viel zu tun, aber einen gewissen zusammenhang gibt es trotzdem.

die fragliche zeitspanne (94/95) war, im nachhinein betrachtet, für mich wohl einer der wendepunkte meines lebens.

als ich 1990 aufs gymnasium kam, war ich noch ein richtig liebes kind. ich war 12 jahre alt und hatte keine ahnung. ich hatte noch nicht einmal einen eigenen musikgeschmack, ich hatte nämlich überhaupt keinen musikgeschmack. auch in den nächsten jahren blieb ich verhältnismäßig brav. zwar mutierte ich dann zwischendurch zu einem pubertierenden arschlochkind, aber ich habe keinen groben unfug angestellt. ich habe nie die schule geschwänzt (nur einmal kollektiv und im klassenverband den sportunterricht - man ließ uns schwer dafür büßen), ich habe kein schuleigentum zerstört, ich habe mich nie mit alkohol vollgeschüttet, ich habe nicht geraucht und ich habe keine drogen genommen. ich wurde zwar von schuljahr zu schuljahr schlechter, aber ich war kein störenfried oder sowas. ich war eben ein liebes kind.

der wendepunkt kam dann 1994, noch in gerade erst zur neujahrsnacht gewordenen silvesternacht.

wir hatten einen auftritt in einem der besseren hotels am zwischenahner meer gehabt, irgendwer von uns kannte den azubi des hotels und so entwickelte sich dann ein gespräch über die vor- und nachteile des abiturs. der azubi hielt so gar nichts von abitur mit nachfolgendem studium und sagte dann irgendwann: "und mit 30 bist du dann immer noch kein arzt". in jener nacht hat mich dieser satz furchtbar aufgeregt und mich in meinen ambitionen in richtung abitur nur noch bestärkt. ich wollte dreieinhalb jahre später mein abitur machen, daran gab es nichts zu rütteln. auch mein mehr als nur schlechtes halbjahreszeugnis konnte meinem zukunftsplan nichts anhaben. trotzdem gingen mir die worte des hotel-azubis nicht mehr aus dem kopf und entfalteten dann schließlich einige wochen später ihre volle wirkung.
wir hatten in musik (= eines meiner hauptfächer) eine arbeit zurückbekommen und ich hatte wieder einmal sämtliche register meines nicht-könnens gezogen. ich habe die note auf der arbeit gesehen und im gleichen moment stand für mich fest, dass ich das gymnasium nach der 10. klasse verlassen würde. scheiß aufs abitur.... ich hätte sowieso nicht gewusst, was ich hätte studieren sollen. zu meiner völligen verwirrung haben meine eltern ausgesprochen gelassen auf meinen entschluss reagiert. ich hatte mit wahren wutausbrüchen gerechnet, doch stattdessen hieß es nur: "na endlich! wir dachten schon, du kommst gar nicht mehr auf diese idee." und zu hause gab es diesbezüglich keine probleme mehr. sehr viel schlechter lief es hingegen in der schule. außer mir wollte noch eine weitere schülerin die schule verlassen, also haben wir unseren klassenlehrer gemeinsam über unseren entschluss informiert. er hat nicht besonders gut darauf reagiert. ob wir uns das auch wirklich gut überlegt hätten? hatten wir. nicht zuletzt deshalb, weil wir beide nicht besonders gut mit unseren mitschülern ausgekommen sind. von seiten des lehrers hieß es daraufhin, wir wollten ja bloß nicht mit den anderen auskommen und würden es mit 80 jahren bitter bereuen, das gymnasium nach der 10, klasse verlassen zu haben. über kurz oder lang würden wir dann als drogen- und alkoholabhänger sozialfall "in der gosse landen", und zwar nur wegen dieser entscheidung. im laufe der folgenden monate bekamen wir noch mehr derartige nettigkeiten an den kopf geworfen. während einer chemiestunde hatte ich wieder einmal alles falsch und es war mir eigentlich auch egal. immerhin stand schon fest, dass ich nach ende des schuljahres nichts mehr mit chemie zu tun haben würde. der lehrer (der gleiche wie oben) erzählte irgendwas von der wichtigkeit chemischer formeln, eine freundin sprang für mich in die bresche und am ende gipfelte dieses wortgefecht in der aussage des lehrers, dass ich mit meinem kümmerlichen chemiewissen  noch nicht einmal "gulliputzer und guatemala" werden könne, denn selbst dafür sei ich noch zu dumm. ein anderer lehrer hingegen verkündete, ich würde es im leben allerhöchstens zum "erdbeerpflücker für 10 mark die stunde" bringen, alles andere könnte ich vergessen. wenn einem mit 15 solche sprüche um die ohren fliegen, prägt das. manchmal frage ich mich, ob mein selbsthass nicht vielleicht auch zu großen teilen auf dieses erste halbjahr in 94 zurückzuführen sind. denn da gab es ja nicht nur die latente mobberei durch diverse lehrer. aus irgendeinem grund hatte mein langjähriger schwarm und eigentlich recht guter freund T. beschlossen, verrückt zu werden. er sprach in der schule nicht mehr mit mir und wenn wir uns außerhalb der schule irgendwo begegneten, grüßte er mich nicht einmal mehr. lief er aber 3 minuten später meinen eltern in die arme, kam er aus dem reden gar nicht mehr raus und ich kriegte dann abends von meinen eltern was auf den hut, wenn ich mich wenig begeistert über T. äußerte.
nebenbei lernte ich dann auch noch diesen herrn kennen, es gab diverse probleme mit einer damaligen freundin, ich musste ernsthaft um meine versetzung bangen und bekam dann am ende doch noch den erweiterten sek I, da ich hoch und heilig versprochen hatte, das gymnasium auch wirklich zu verlassen. es gab vor den sommerferien noch eine allerletzte klassenparty mit übernachtung und ohne schlaf, während der ich mich lange mit einem meiner mitschüler unterhielt und hinterher von ihm gesagt bekam, er würde sich nun dank dieser unterhaltung doch nicht mehr vor seinem 18. geburtstag umbringen. ich schwärmte nach wie vor für den oben genannten herrn und hatte ein wenig ärger damit zu tun, dass die problemfreundin mir irgendwann das märchen vom sex mit ihm erzählte. als das ende der sommerferien nahte, wurde ich zunehmend nervöser. mangels alternativen (denn natürlich hat man keine großen alternativen, wenn man sich irgendwann im märz spontan zum hinschmeißen der gymnasiallaufbahn entscheidet und so gar keine ahnung hat, was man stattdessen wohl machen wollen würde) hatte ich mich für die einjährige berufsfachschule wirtschaft angemeldet und ich bin doch immer so unsicher, wenn man mich in eine neue umgebung steckt und ich keinen begleitschutz im schlepptau habe. außerdem hatte ich sorge, dass die alten gymnasialen freundschaften meinen schulwechsel nicht überstehen würden. nach einem besuch beim inzwischen wieder normal gewordenen guten freund T. am letzten ferientag sah die welt aber schon weniger schwarz aus. wir hatten so viel spaß wie lange nicht mehr und er hat mehrmals gesagt, ich solle doch zwischendurch mal wieder im gymnasium vorbeischauen.

tja... und dann kam der erste tag an der neuen schule. ich traf auf relativ viele bekannte gesichter und wir mir sicher, mich mit wenistens einem dieser gesichter in der gleichen klasse wiederzufinden. dem war nicht so. ich kannte in meiner klasse zwei leute vom hörensagen, vom negativen hörensagen. ich steckte nun also tatsächlich ohne jede form von begleitschutz in einer neuen umgebung, die ausschließlich aus untereinander schon bekannten gruppen bestand und mich postwendend in die schublade für "arrogante gymischweine" steckte. für die anderen war ich der streber, hörte den ganzen tag nur indie und war sowieso total eingebildet. man wollte nicht groß mit mir reden und fand mich schon gar nicht sympathisch. wenigstens wurde ich von den bekannten gesichtern (die allesamt fröhlich und im mehrpack in anderen klassen dahinschülerten) nicht gehasst und hatte so zumindest in den pausen einen zufluchtsort. nach ein paar wochen habe ich dann aber bei einigen meiner mitschüler doch noch den durchbruch geschafft, indem ich eines tages mit einem joghurtfleck auf meinem schuh im unterricht erschien und dann auch gleich noch von versehentlich zerstörten fahrrädern erzählte. von da an ging es bergauf. das schuljahr wurde immer großartiger, meine klappe wurde immer größer und am ende war ich eben nicht mehr ganz so lieb wie vorher. nur leider ist mit den jahren der kontakt zu meinem damaligen circle of trust abgerissen. nur der thomas ist noch übrig, ausgerechnet der.... es ist ja nun schon ein bisschen merkwürdig, wenn zwei völlig verschiedene lebensabschnitte durch einen ganz bestimmten menschen miteinander verbunden sind. ich hätte vor 15 jahren nicht geglaubt, dass ich mal so sein würde wie ich vor 13 jahren war. und vor 13 oder 10 oder 5 jahren hätte ich mein heutiges leben für vollkommen unmöglich gehalten. nicht nur, weil thomas noch immer zu diesem leben dazugehört. zu dem leben, in dem plötzlich so viele dinge so normal geworden sind, dass deren außergewöhnlichkeit längst verblasst ist.

wer hätte gedacht, dass aus dem merkwürdigen mädchen von 94/95 mal so jemand wie ich wird? ich nicht.
von Claude
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Sonntag, 28. september 2008 7 28 /09 /2008 00:15

schon seit langem fühtle ich mich so, als hinge ich zwischen zwei lebensabschnitten fest und würde immer nur kurze ausflüge auf eine der beiden seiten machen. mittlerweile gewinne ich aber doch zunehmend den eindruck, mehr zeit auf der erwachsenenseite des lebens zu verbringen.

natürlich übernimmt mein inneres kind immer noch oft genug das kommando und parkt mich mit glasigen augen vor einem spielzeugbestückten regal bzw. verursacht andere ausfallerscheinungen. man kann wahrscheinlich auch davon ausgehen, dass ich für den rest meines lebens eher hölzerne kugelbahnen als handtaschen anschmachten werde. in dieser hinsicht werde ich wohl (zum glück) nie so richtig erwachsen werden.

ich bin sehr lange zeit davon ausgegangen, nicht das potential für ein normales erwachsenenleben zu haben. ich war in meinen augen ein ewiger kindskopf. für vieles geeignet, zu nichts zu gebrauchen. die prägenden erlebnisse meines bisherigen lebens habe ich zwar schon als solche registriert, habe ihnen dann aber jeglichen positiven einfluss auf mich aberkannt. sie haben mich kaputtgemacht, aber sie haben mich nicht gestärkt oder gar reifen lassen. erst jetzt wird mir langsam bewusst, dass ich mich da geirrt haben muss.

die vergangenen 10 monate haben sowohl eine veränderung als auch eine entwicklung meiner person bewirkt. etwas, was mir erst jetzt in seiner ganzen bedeutung bewusst zu werden scheint.

der entscheidende auslöser hierfür dürfte das tischgespräch am vergangenen mittwoch gewesen sein. mittwochs bin ich ja für gewöhnlich vormittags im krankenhaus und esse dann auch dort zu mittag, oftmals gesellt sich der pastor zu uns und es wird über verschiedenste dinge geredet. am vergangenen mittwoch berichtete der pastor von seiner doch recht kräftezehrenden woche. er hat innerhalb dieser einen woche drei sterbebegleitungen machen müssen, die alles andere als angenehm waren. zunächst hat er die eltern eines frühgeborenen betreut, deren kind bei der geburt unter 500 gramm wog und wenige stunden nach der geburt verstorben ist. der pastor hatte bereits in der woche zuvor davon erzählt, dass er einen besonders kleinen sarg habe anfertigen lassen. nach dem frühgeborenen betreute er eine frau in meinem alter, die an krebs gestorben ist. die begonnene operation wurde abgebrochen, ihr wurden noch drei oder vier tage an verbleibender lebenszeit genannt, verstorben ist sie dann innerhalb von 48 stunden nach dieser diagnose. der letzte fall muss eine ältere dame gewesen sein, die eigentlich nur kurz intubiert werden sollte und dabei verstarb. in diesem fall war es dann auch so, dass die familie "nur kurz" aus dem zimmer geschickt wurde, damit die dame in ruhe intubiert werden konnte. im grunde sind das schon horrorgeschichten, wir aber haben verhältnismäßig ungerührt unser mittagessen verspeist und sind anschließend zur tagesordnung übergegangen. genauso wie in der vorwoche, in der wir uns nach dem mittagessen noch schnell den neuen standort der leichenhalle zeigen lassen wollten. die hiesige klinik wird gerade umgebaut, so dass jetzt noch nicht alle räumlichkeiten (wieder) an ihrem endgültigen platz vorzufinden sind. eine zeit lang befand sich die leichenhalle mit in dem gebäudewürfel, in dem unter anderem der müll gesammelt wurde. nun ist sie aber wieder umgezogen und scheint sich dann wohl auch an ihrem endgültigen bestimmungsort zu befinden. wir wollten uns nun also diesen bestimmungsort zeigen lassen, trafen vor den fahrstühlen auf irgendeinen wichtigen menschen fanden uns wenig später im vorflur zur leichenhalle wieder. wir bekamen einen kleinen vortrag über den ort für die letzte aussegnung (der wegen eines baufehlers jetzt eigentlich gar nicht zu gebrauchen ist), betrachteten nebenbei die irgendwie völlig unnötigen schränke (die sehr viele leute sehr gerne in ihrem büro stehen hätten) und sollten dann auch noch einen blick in die eigentliche leichenhalle werfen. das haben wir zwar auch gemacht, aber nur kurz und ein wenig überrumpelt. als nämlich die tür aufgeschlossen und geöffnet wurde, blickten wir auf zwei herren, die an einem offenen (und natürlich belegten) sarg herumhantierten und haben es damit gut sein lassen, dass wir nun eben wissen, wo sich die leichenhalle befindet. schon an diesem tag habe ich festgestellt, dass leichen auf mich überhaupt nicht mehr erschreckend wirken, ich kann mir auch detaillierte ausführungen eines bestatters anhören, ohne dass mir dabei komisch wird und ich mir die ohren zuhalten will. so makaber das jetzt vielleicht auch klingen mag, ich freue mich für jeden menschen, der einen leichten tod hat. dieser gedanke war auch einer der ganz klar vorherrschenden gedanken, als meine oma im dezember wirklich völlig überraschend verstorben ist. sie hatte zwar mit einer magen- und darmgrippe sowie herz-rhythmus-störungen zu tun gehabt, aber sie war nicht schlimm krank. und bis drei oder vier tage vor ihrem tag ging es ihr auch noch ausgesprochen gut. sie hatte sich gerade erst ein neues fahrrad gekauft und war für ihre paarundachtzig jahre noch gut unterwegs. unter diesen voraussetzungen ist ein so überraschender tod zwar schon erschreckend, aber dann doch auch irgendwie beneidenswert. mein vater hat es damals nicht so leicht gehabt, vermutlich habe ich deswegen eine etwas verquere ansicht zu dieser sache.
und mir ist auch die "fortbildung" für die ehrenamtlichen am monatsanfang nicht so nahe gegangen wie sehr vielen der anderen anwesenden damen. alle ehrenamtlichen mitarbeiter des krankenhauses sollen jeweils jeden ersten montag im monat an einer fortbildungsveranstaltung teilnehmen. die themen sind unterschiedlichster natur, und in diesem monat ging es eben um palliativpflege zu hause. hier in der nähe gibt es eine praxis für schmerztherapie, in der eine ärztin eng mit einigen schwestern zusammenarbeitet und darum bemüht, ihren patienten das sterben zu hause zu ermöglichen. und über diese praxis wurde irgendwann einmal eine sendung in der ard gezeigt, die wir uns dann eben auch angeschaut haben ich fand die sendung sehr interessant, vieles kam mir bekannt vor und ich habe auch dann doch relativ viel nachgedacht. allerdings vielmehr über die dort oft eingesetzte morphiumpumpe, die allgemeine vorgehensweise des praxisteams und patientenverfügungen. während nach dem abspann überall extremst betroffen geschnieft und mit taschentüchern im gesicht herumgewischt wurde, wurde ich viel eher... nicht richtig wütend... ich wurde ein wenig ungehalten. natürlich kann man im fernsehen nicht die ganz harten geschütze in sachen krebs im endstadium auffahren. aber trotzdem kam es mir so vor, als hätte man da ein bisschen zu sehr weichgespült. man liegt sich nicht einfach mit einer angeschlossenen morphiumpumpe ins bett und stirbt dann mit einem leichten seufzer. gerade bei darmkrebs mit lebermetastasen kann es eklig werden. ich selbst habe damals zum glück nicht mitbekommen, wie mein vater sich "seine innereien aus dem leib gekotzt hat". aber ich habe mehr als einmal die blutdurchtränkten bettlaken gesehen. selbst wenn man sowas nun wirklich nicht zeigen kann, man hätte es vielleicht erwähnen können. und trotzdem wurde nach dieser sendung um mich herum geheult und getan und ich habe mich gefragt, wie vertrottelt manche menschen wohl sein können. eine dame sagte zum beispiel, die sterbebegleitung der eigenen mutter sei für die kinder ja eine sehr wertvolle erfahrung, auf die sie für den rest ihres freudig zurückblicken können. jaaaaaaaaaaaaaaa, genau. man ist für den rest seines lebens ein fröhlicher kleiner sonnenschein, weil man ein elternteil bis in den tod begleitet hat. geht mir ja schließlich genauso... ich blicke voller freude darauf zurück, meinem vater beim verrecken zugeguckt und zugehört zu haben. und ich finde es immer noch ganz furchtbar wertvoll, dass ich miterleben durfte, wie er immer mehr abgehaut hat und am ende überhaupt nichts mehr konnte. wer flippt vor begeisterung auch nicht völlig aus, wenn der mensch, der einem alles beigebracht hat, plötzlich nicht mehr laufen oder gar sprechen kann? eben... ganz groß fand ich dann auch die frage der dame, die ständig alles in grund und boden labert. wie lange es denn wohl ungefähr dauere, bis jemand an krebs stirbt? das könne der arzt doch bestimmt genau sagen. besagte dame war dann auch schwer entrüstet, weil man eben nicht mit bestimmtheit sagen kann, wie lange ein krebspatient noch lebt. und nein... das kann nicht einmal ein arzt mit bestimmtheit sagen. und ja, das ist ganz schön beschissen. auch für die angehörigen. weil es nämlich nicht immer so "schön" ist wie in dieser sendung. uuuhhuuu.... das alles weiß ich und ich weiß, dass ich darüber reden kann. und zwar ohne, dass ich am ende als heulendes elend zusammenbreche. so gesehen bin ich erwachsener als so manch ein mensch mit 40, 50 oder 60. manchmal stört mich das so.

auf manchen gebieten weiß ich für mein alter zu wenig, auf anderen zuviel. ich habe viel mitgemacht und ich habe so meine blessuren davongetragen. aber inzwischen weiß ich, dass ich mich nicht selbst verarzten können muss. trotzdem fällt es mir immer noch schwer, mich hilfe von außen einzulassen. noch bin ich nicht wieder soweit, dass ich einen neuen versuch mit einem anderen therapeuten wagen könnte. mein kindlicher sturkopf spielt dabei auch eine nicht ganz unwichtige rolle. warum sollte ich es noch einmal versuchen, wenn ich doch schon einmal auf die schnauze geflogen bin? einerseits gebe ich immer noch zu schnell auf und bin zu schnell dazu bereit, mich wieder in mein schicksal zu ergeben. andererseits bin ich dann aber auch wieder so furchtbar stur, dass ich es unbedingt doch schaffen will - und zwar am liebsten alleine. vielleicht könnte ich das ja auch tatsächlich schaffen, ich traue es mir nur irgendwie nicht zu. aber: auch daran arbeite ich. in den vergangenen habe ich ein paar herausforderungen bewältigt. und auch wenn es keine sonderlich großen herausforderungen waren, für mich waren es große schritte und ich bin ein bisschen stolz auf mich. ich habe festgestellt, dass ich mich jetzt mehr traue als früher. früher wäre ich nie freiwilig mit dem auto zur schwiegerfamilie gefahren. schließlich hätte es sein können, dass ich irgendwie zwischen köln und frankfurt verlorengehe und nie wieder nach hause finde. früher wäre ich auch nie auf die idee gekommen, mit wildfremden leuten herumzuscherzen. nun ja... jetzt mache ich das auch nur manchmal und dann auch nur im krankenhaus, trotzdem ist es ein fortschritt. ich bin alleine zu einem konzert gegangen, obwohl ich gar nicht gerne alleine irgendwo hingehe. ich habe ein paar entscheidungen getroffen, die ich mir eigentlich gar nicht zugetraut hätte und die ich jetzt immer noch vor mir selbst vertreten kann. ich ertappe mich immer öfter dabei, dass ich vernünftige entscheidungen treffe. und dass ich mir eingestehe, dass ich vielleicht doch gar nicht so ätzend bin. ich habe gelernt, dass ... mh.... wie soll ich das sagen? ... manchmal muss man einfach das risiko eingehen, sich mit einem (ein-)geständnis lächerlich zu machen. sowas fällt mir überhaupt nicht leicht, aber ich habe mich kürzlich dazu durchgerungen. und es war gut. .... ich glaube, ich bin auf einem guten weg.

vielleicht bin ich ja doch gar nicht mehr so sehr kind, wie ich immer glaube.

....

und weil ich eben kein verschüchtertes kind bin, entschuldige ich mich an dieser stelle auch nicht dafür, euch mit diesem eher sinnfreien text belästigt zu haben.
von Claude
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Donnerstag, 25. september 2008 4 25 /09 /2008 21:52

don´t wanna fight
don´t wanna die
just wanna see you cry
von Claude
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Montag, 22. september 2008 1 22 /09 /2008 10:49

eigentlich möchte ich am sonntagabend nicht merken, dass es meinem aufheiterer überhaupt nicht gut geht und dann von ihm erzählt kriegen, dass er einen unfall hatte. und ich möchte eigentlich auch nicht zeit damit verbringen, ihn wieder halbwegs auf die beine zu kriegen. natürlich mache ich das gerne, das steht außer frage. aber eigentlich...

ich will nicht erfahren, dass der yullie eingeschläfert werden muss. und ich will nicht einsehen müssen, dass ich nicht sofort mit fliegenden fahnen zum trostspenden in die hauptstadt eilen kann.

ich will mich nicht um die menschen sorgen müssen, die mir am herzen liegen.

und während ich mich aber dann eben doch sorgen muss, will ich keinen weichgespülten mist von eigentlich (früher mal) vernunftbegabten menschen vernehmen müssen. was interessiert es den rest der welt, ob das eigene leben nur noch auf den partner des lebens fixiert ist? ist ja nun für beide sicherlich schön und toll und alles, aber wer sonst will denn bitte sowas wissen? wer will pärchenbilder, olle urlaubsbilder, hausbilder, sonstwasbilder sehen? da kann man ja auch gleich eine tafel mit der aufschrift: "sind wir nicht toll? bewundert uns!" knipsen.

und überhaupt bin ich weder dumm, noch möchte ich für dumm verkauft werden. wenn jemand ein problem mit mir hat, so möge er mir das doch bitte mitteilen. mir einfach sagen, ich soll die klappe halten und mich umgehend aus dem jeweiligen leben entfernen. ist kein problem, wirklich nicht.
außerdem können sich dann jetzt bitte mal all die leute melden, für die ich offenbar sowas wie der bereitschaftsdienst bin. wenn ihr euch an 364 tagen im jahr nicht meldet, könnt ihr auch gleich aus meinem leben verschwinden. ich bin nicht mehr gewillt, euch bei frust das händchen zu halten und dann im gegenzug allein mit meinen problemen fertig werden müssen. und tut mir den gefallen, hört mit der verdammten heuchelei auf. wenn ich mich mit einer postkarte (oder sonstwie) aus eurem leben verabschiede, dann nehmt das einfach hin und erzählt mir keinen schwachsinn. ihr wollt definitiv noch kontakt mit mir? schön. dann handelt entsprechend oder lasst mich mit dem schwachsinn in ruhe.

danke.

...

herrje... eigentlich wollte ich mich gar nicht so sehr aufregen. aber vielleicht ist es dann doch ganz gut so....
von Claude
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Sonntag, 21. september 2008 7 21 /09 /2008 21:19

Raumtrenner mit zwei Schuppfächer...

von Claude - veröffentlicht in: was man alles finden kann
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Samstag, 20. september 2008 6 20 /09 /2008 15:23

passiert ist viel, zu sagen gibt es (noch) wenig.



von Claude
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Sonntag, 14. september 2008 7 14 /09 /2008 18:09
 
von Claude - veröffentlicht in: glückskind
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