Samstag, 6. september 2008 6 06 /09 /2008 13:45

binnen kürzester zeit kann sich alles ändern, hat sich alles geändert.

mh.
von Claude
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Samstag, 6. september 2008 6 06 /09 /2008 08:42

den herrn kannte ich eigentlich nur, weil er seinerzeit zusammen mit einer alten schulfreundin auf klassenfahrt war. in der klasse besagter schulfreundin befanden sich ein paar bekannte gesichter, darunter auch die spätere kinojobberin. irgendwer muss mir dann mal vom herrn erzählt haben und eines tages, ich war gerade mit der irren (damals war sie eine gute freundin, die gründe dafür kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. sie war einfach irre, verlogen, versoffen, viel zu drogeninteressiert und verweilte jüngst für drei jahre wegen dealerei im gefängnis) in der hiesigen innenstadt, als mir eines der bekannten gesichter begegnete und auf den herrn deutete, der nur ein paar meter weiter mit seinem fahrrad herumgondelte. das war unsere erste begegnung und wahrscheinlich war die anwesenheit der irren in dem moment auch ganz praktisch. ich war und bin ja sowohl schüchtern als auch hässlich, was auf sie nicht zutraf. so hat sie ihn also gleich vollgequasselt und sich dank ihrer optik vermutlich auch gleich seine aufmerksamkeit gesichert.

andernfalls wäre wohl vieles ganz anders gelaufen, nicht zuletzt während der großen "klassenunterschiede"; um es an dieser stelle mal ganz unglücklich auszudrücken.

wir gingen damals aufs gymnasium und waren somit natürlich durchweg als arrogante gymi-schweine verschrien. die bekannten gesichter besuchten die realschule, der herr die hauptschule in der jahrgangsstufe unter uns. haupt- und realschule befanden sich im gleichen gebäudekomplex auf der anderen seite der innenstadt. so kam denn wohl auch die gemeinsame klassenfahrt von haupt- und realschule zustande. und trotz dieser gemeinsamen klassenfahrt wurde mir von weiterhin andauernden feindseligkeiten zwischen den haupt- und realschülern berichtet. wenn ich mich richtig erinnere. soll der herr mit seiner einstellung gegenüber den "schlaueren" auch ganz rabiat gewesen sein.

tja... und nun traf er also auf zwei gymnasistinnen und hätte wahrscheinlich auch fristgerecht die flucht ergriffen, wenn die irre nicht die irre gewesen wäre. wir haben uns ein wenig unterhalten, begegneten uns fortan öfter und unterhielten uns dann eben wieder. phasenweise beschloss die irre, den herrn im schwimmbad ans telefon rufen zu lassen, um ihn anschließend in die innenstadt zu zitieren. meistens sträubte er sich. manchmal hielt sie dann mir den hörer hin, damit ich ihn anfordern sollte - manchmal war das sogar erfolgreich. dennoch waren mit der irren im schlepptau alle gespräche eher oberflächlicher natur. ihr schien das nicht zu gefallen, so dass sich sich dann über die sommerferien eine lustige geschichte ausdachte. sie wusste um meine schwärmerei und fand es wohl ganz besonders komisch, mir ein märchen von einem sexuellen abenteuer mit dem herrn aufzutischen. sogar die beposterung seines zimmers und seine bettwäsche hat sie mir beschrieben. ich war natürlich über die maßen enttäuscht, allerdings weniger von ihr als vielmehr von ihm. es mangelte mir damals offenbar an vollständig vorhandenen geistigen kräften.

mitten in dieser liebesbekümmerten phase von wut und enttäuschung traf ich eines tages wieder auf den herrn. er wirkte tatsächlich recht erfreut, mich zu sehen und reagierte entsprechend. an details kann ich mich nicht mehr so genau erinnern. ich wollte seine vögelei mit der irren nicht weiter erwähnen, ich wollte ihn vermutlich einfach nur auf der stelle in die luft sprengen oder sowas. aber als er mich dann nach der irren fragte, blaffte ich ihn dann erst recht an und muss wohl irgendwas dahingehend gesagt haben, dass er ja wohl schließlich derjenige sei, der sie vögelt und von daher sicherlich am besten wüsste, was sie so macht. an seine reaktion darauf kann ich mich jedoch noch sehr genau erinnern. ihm sind sämtliche gesichtszüge entgleist, es hat ihm erst die sprache verschlagen und nach einer weile beteuerte er mit dem ehrlichsten gesicht, das ich bis dahin jemals gesehen hatte, dass er das definitiv nicht getan hätte und ich ihm das doch bitte, bitte, bitte glauben müsse. danach haben wir uns dann wirklich richtig vernünftig unterhalten, über dieses und jenes, über die schule und überhaupt... und nach einer weile sagte er, dass man sich mit mir ja wirklich auch ganz normal unterhalten könne und wie toll er das doch fände. zumal er ja nur so ein dummer hauptschüler und ich die auch so schlaue gymnasiastin sei.

nach den ferien sahen wir uns dann noch ein paar mal in der schule oder im schulbus, einmal erzählte er mir von seinem geburtstag. ein anderes mal brabbelte er irgendwas von "mon petit cheval de nougat" und dann widmete er sich seinen komischen freundinnen. irgendwann traf ich ihn dann noch einmal morgens beim bäcker, wo er mir von der erneuten hochzeit seiner mutter erzählte. danach schlief der kontakt ein.

eben bis zu dieser phase im kino, vor 11 jahren.

ich frage mich oft, ob ich mich ihm gegenüber vielleicht anders hätte verhalten sollen. ich war oft ziemlich zickig und habe eigentlich auch erst viel zu spät gemerkt, dass er im grunde ein ganz vernünftiger kerl ist. oder war.

die kinojobberin hat mir nach seinem tod erzählt, dass er irgendwann nach oldenburg gezogen und sich insgesamt sehr zum negativen verändert haben soll. zu viel getrunken, zu viel geraucht, zu wenig wertschätzung den frauen bzw. seiner freundin gegenüber. hin und wieder frage ich mich, ob das nicht vielleicht auch mit an mir gelegen hat. vielleicht wäre alles anders gewesen, wenn ich weniger gezickt hätte. vielleicht wäre es einfach gewesen, ihn doch noch auf die richtige bahn zu lenken. er war ja schließlich nicht blöd...

ich weiß nicht, woran er gestorben ist. es gab spekulationen über unfälle oder selbstmord, aber beides ließ sich dann doch relativ schnell ausschließen. möglicherweise drogen? einen herzinfarkt mit tödlichem ausgang hielten wir für unwahrscheinlich, er war doch auch noch keine 28 jahre alt. als mein bruder jedoch von seinem tod und den spekulationen darüber erfuhr, sagte er nur: "natürlich hatte der einen herzinfarkt! dem hat man doch schon vor 10 jahren angesehen, dass er da ganz stark drauf zusteuert.". diese aussage hat mich noch nachdenklicher gemacht. wieso hat mein bruder das mit 14 so eingeschätzt, ich aber nicht? und wer weiß... vielleicht wäre es ja tatsächlich mit ein bisschen geduld möglich gewesen, den herrn wieder geraezubiegen.
von Claude
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Donnerstag, 4. september 2008 4 04 /09 /2008 21:07

die madame kam gestern überhaupt nicht mehr nach hause, sondern schickte zu relativ später stunde (ich hatte mich gerade unter aufbietung meiner allerletzten kräfte von meinem schlafzimmer hinunter aufs sofa transportiert) eine sms und meldete sich ab. wenigstens das.

und da ich dann heute in aller frühe die wg verlassen habe, werde wir uns nun erst am sonntag sehen. zwar habe ich in meiner überwältigenden freundlichkeit auf dem für sie hinterlassenen informationszettel (wer hat alles angerufen? wo ist essen? wo bin ich?) noch eine einladung zum tee ausgesprochen, aber die wird dann wohl im sande verlaufen. schließlich konnte madame sich nicht einmal dazu herablassen, auf die vorhin versuchte kontaktaufnahme via icq zu antworten. aber so sei es dann eben.

...

ich sollte ohnehin besser darüber nachdenken, ich ich mein arbeitspensum in den nächsten wochen bewältge.

bis ende letzten jahres hatte ich nur dienstagabends meinen babysittereinsatz und alle paar wochen dann mal einen termin beim migränemenschen. im januar kam der mittwochnachmittag in der bücherei dazu, der sich im april dann in den mittwochvormittag verwandelte und gesellschaft vom dienstagvormittag bekam. außerdem ergab sich dann noch der jeweils erste montag im monat, zwecks "fortbildung" für die ehrenamtlichen. irgendwann im mai wurde dann der monatliche termin beim migränemenschen gegen wöchentliche termine zur akupunktur ausgetauscht, die dann zum juli hin in wöchentliche termine in DEL umgewandelt wurden. jetzt wurden die besuche in DEL verdoppelt, damit man mich mit chiropraktik wieder geradebiegen kann (im wahrsten sinne des wortes). das bedeutet im endeffekt, dass ich für die nächsten paar wochen montags nach DEL muss, dienstagvormittags für 1 bis 3 stunden in der bücherei bin und dann am späten nachmittag babysittend tätig werde. mittwochvormittags bin ich dann ebenfalls in der bücherei, da aber dann später, länger und mit anschließendem mittagessen in der kantine (nebeneffekt: freier blick auf schicke assistenzärzte, manchmal). donnerstags darf ich wieder nach DEL gondeln, während ich freitags höchstens mal auf den wochenmarkt und nachmittags den wochenendeinkauf erledigen muss und dann entweder noch abends oder am samstagvormittag gelegentliche besuche in EMD in angriff nehme (es stellte sich nämlich heraus, dass gemeinsame zeit in seiner wohnung dann doch entspannter ist als das chaos in WST). dieser terminplan würde es erlauben, zwischendurch immer wieder mal ein paar bewerbungen auf den weg zu schicken. dieser terminplan wurde heute allerdings durchkreuzt.

meine mutter klagte gestern über eine merkwürdige hörperformance ihrer ohren, so dass ich sie dann heute gleich um 8 zum HNO gefahren und dort fünf stunden lang gewartet habe. teils im wartezimmer, teils auf einkaufsmission im idyllischen (eher langweiligen, von freaks übervölkerten) städtchen verbracht habe. jetzt ist klar, dass sie wieder einen hörsturz hat und vorerst zehn infusionen bekommen soll. und weil der berg (=infusion) ja eher selten zum propheten kommt, muss ich den propheten (=mutter) eben zum berg fahren. und zwar eigentlich jeden tag, wenn ich es zeitlich einrichten kann. am kommenden montag klappt das nicht, weil ich da vormittags in die bücherei, am frühen nachmittag nach DEL und am späten nachmittag mit meiner mutter zu ihrem heilpraktiker muss (und nicht so wirklich gewillt bin, zusätzlich zu der wartezeit beim heilpraktiker auch nochmal eine stunde infusionswarterei auf mich zu nehmen). aber die restliche woche über sollte sich das einrichten lassen.

da kommen nun also sehr viele stunden im wartezimmer auf mich zu, umzingelt von seltsamen menschen. lärmenden menschen. schniefenden menschen. röchelnden menschen. stinkenden menschen. menschen mit blutigen tüchern in durchsichtigen tüten auf dem schoß. glotzenden menschen. nervenden menschen. ein toller gedanke... aber immerhin habe so jeden tag eine stunde lang zeit, in der ich entweder lesen oder aber an der babydecke weiterstricken kann. das baby ist ja nun auch schon 4 monate alt, da wird es langsam zeit. tjaja... und so ganz nebenbei muss ich dann halt auch noch meine bewerbungen schreiben und irgendwie noch zusehen, dass ich die wg ordnungs- und sauberkeitstechnisch halbwegs in schuss halte, um mir irgendwelche quakereien von der madame zu ersparen. ich habe mir überlegt, fortan einfach wieder früh aufzustehen und so dann wenigstens morgens noch eine stunde zeit für irgendwelche hausarbeiten und ein halbwegs geruhsames frühstück zu haben. auf diese weise hätte ich dann wenigstens am nachmittag (oder abend - je nach zeitpunkt der rückkehr) meine ruhe und könnte mich mit dingen beschäftigen, die ich gerne und vor allem freiwillig machen möchte. schlafen zum beispiel. oder fernsehen. oder telefonieren (wobei das auch schon wieder kritisch ist, weil die madame sich gerne mal für die einzige telefonierberechtigte person im haus hält. wo kämen wir denn auch hin, wenn ich als minderwertige und faule mitbewohnerin auch noch eines der beiden telefon im haus mit beschlag belege?). oder mit meinen angefangenen schreibereien weitermachen, zumal mich jetzt tatsächlich ein fan (!) nach einer fortsetzung gefragt hat...hach, ein fan ist schon eine tolle sache. ich bin fast schon ein bisschen stolz darauf.

nun... ich bin also in nächster zeit schwer beschäftigt, was vermutlich auswirkungen auf diesen blog habene wird. es wird entweder still(er) werden oder nur so vor irgendwelchen wuteinträgen wimmeln. wer weiß... aber dennoch, den anfang der geschichte mit dem herrn habe ich nicht vergessen, die kommt noch.




von Claude
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Mittwoch, 3. september 2008 3 03 /09 /2008 23:06

irgendwas stimmt heute mit meinen augen nicht.

auf dem weg von DEL zurück nach hause fing plötzlich mein linkes auge furchtbar zu jucken an. und zwar genau auf dem stück strecke, auf dem man fast zum stehen kommt und so in aller seelenruhe am auge herumreiben kann. ich sah dann natürlich entsprechend toll aus.

eben passierte das schon wieder, dieses mal in beiden augen. ich möchte nicht wissen, wie ich gerade aussehe. ich habe ja die leichte befürchtung, dass meine augenringe durch dieses theater nur noch hartnäckiger werden. bestimmt sehe ich irgendwann so aus, als hätte ich seit jahren nicht mehr genug geschlafen...

nun ja.

jetzt sitze ich also hier, bin müde und kann nicht ins bett gehen. nachdem ich der madame vorhin in einem anfall von wahnsinn eine sms geschickt und darum gebeten habe, noch bis zu meiner rückkehr in die wg wachzubleiben, kann ich ja jetzt schlecht vor ihrer rückkehr hierher einknicken und schlafen gehen. manchmal bin ich echt ein volltrottel... ich bin nämlich nicht nur müde, ich muss morgen auch noch in aller frühe aufstehen. meine mutter hat gerade wieder ein paar probleme mit ihrem ohr und ich warte ja nun schon länger darauf, dass sie von einem weiteren hörsturz außer gefecht gesetzt wird. sie hat es also gerade mit den ohren und wollte morgen vormittag mal beim hno anrufen und um einen termin am nachmittag bitten. ja, von wegen. nix mit vormittags anrufen und um einen termin bitten! ich habe sie zum notfall ernannt und angeordnet, dass sie sich morgen krankmeldet und sich noch vor 8 beim hno einzufingen hat. dumm nur, dass ich sei dort hinbringen muss. meine nacht wird also früh wieder vorbei sein, und ich hätte den schlaf auch sonst wirklich bitter nötig. stattdessen werde ich also auch diesen abend damit zubringen, auf die madame zu warten. vielleicht kreuzt sie ja in der nächsten halben stunde hier auf, dann können wir uns noch eine halbe stunde ein wenig unterhalten und ich wäre noch vor 1 im bett. das wäre toll... aber ob das klappt? ich habe zweifel.

besonders ärgerlich ist das deshalb, weil es hier in der wg definitiv (noch) keine ratten gibt. nachdem ich vorhin bei meiner mutter nämlich auch noch eine ratte entdeckt habe (und zwar 50 cm neben meinem fuß), werde ich dort in den nächsten tag nicht besonders gut schlafen können. man stelle sich vor, ich schlafe in meinem bett und eine ratte beißt mir ins ohr oder verteilt ihre exkremente auf meiner bettwäsche. ein grauenvoller gedanke... besseren schlaf hätte ich also definitiv hier in der wg, die ich aber morgen verlassen muss. zu nachtschlafener zeit gehts zum hno, nachmittags muss ich dann den kleinen clint in der werkstatt vorstellen. er hat sich mit seinem gaspedal bzw der eskalationskette zum thema "durchgetretenes gaspedal" erzürnt und mag phasenweise nicht schneller als so 140 km/h fahren, während er bei voll durchgetretenem gaspedal dann auch gerne mal noch langsamer wird. und er scheint sich nach einer längeren ruhephase für einen hoppelhasen zu halten. kann ja so nicht richtig sein, darum gehts für ihn morgen nachmittag in die werkstatt, damit er am freitagmorgen den herren mechanikern lustig etwas vorhoppeln kann. und da ich ja nun schlecht ganz bis in die wg laufen kann, werde ich bei meiner mutter bleiben. dort, wo die ratten sind.

:(

ach mensch, madame. jetzt komm aber endlich mal an..
von Claude
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Mittwoch, 3. september 2008 3 03 /09 /2008 09:49

ihr könnt ja mal raten, wer sich gerade nicht im haus befindet.

richtig. es ist die madame. keine rückkehr, kein lebenszeichen, kein gar nichts. prima. da kommt freude auf.

ich für meinen teil werde gleich für die kommenden 12 stunden ebenfalls das haus verlassen und ihr einen zettel auf den küchentisch legen, falls sie sich denn heute hier wieder einfinden sollte. eigentlich hätte sie ja noch nicht einmal das verdient. aber bin ich ein unmensch? nein. nicht immer.

ansonsten werde ich mir in den kommenden stunden (und vor allem auf der farht nach DEL und zurück) mal ein paar gedanken über mein leben machen. ich schleppe zu viel ballast mit mir rum. ich bemühe mich um aussichtsloses. ich will das alles nicht mehr.

bleibt abzuwarten, wie diese phase letztendlich endet.
von Claude
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Dienstag, 2. september 2008 2 02 /09 /2008 17:21

die gedanken vom schneegespenst ließen auch mich über meine persönlichen kinoerfahrungen nachdenken.

bei uns in der stadt gibt es kein kino mehr, was ich noch nicht einmal besonders schade finde. mir hat es dort nie so richtig gefallen, weil es immer so alt und schmuddelig gewirkt hat. dennoch ließ mich der gedanke an jenes kino ein bisschen wehmütig werden.

das hiesige kino als kino im klassischen sinne war ein flop, aber es hat mir eben doch erinnerungen beschwert, die ich auf keinen fall würde missen wollen.

vor langer, langer zeit hat eine freundin von mir an den wochenenden nachmittags an der kinokasse gejobbt und ich habe ihr dort oft gesellschaft geleistet. der chef fand die ständigen besucher zwar nicht so toll, aber er war fast nie da und konnte sich somit auch nicht beklagen. außerdem war es natürlich von größter notwendigkeit, die arme jobberin während der spieldauer (laufzeit? wie nennt man das? bei laune zu halten und sie somit vor dem sicheren tod durch langeweile zu bewahren. ein weiterer anreiz war allerdings auch der herr, der dort zur gleichen zeit als filmvorführer tätig war. 

zu jenem zeitpunkt kannte ihn den herrn bereits seit zweieinhalb jahren, hatte aber schon eine ganze weile so gar nichts mehr mit ihm zu tun gehabt. die vorgeschichte dazu folgt noch.
der herr und ich kannten uns nun also schon eine ganze weile, wir sprachen nur nicht mehr miteinander. meiner schwärmerei für ihn hatte das im übrigen keinen abbruch getan, ebensowenig wie die existenz seiner freundinnen (nacheinander, nicht zur gleichen zeit). tja... und eines tages begegneten wir uns dann im kino, grüßten uns, aber sprachen immer noch nicht wieder groß miteinander. eines nachmittags aber kam er dann auf die idee, in einem der beiden kinosäle mit einem schal als rugby-ball (rugby-ei?) rugby spielen zu wollen. auch dabei haben wir nicht wirklich miteinander gesprochen, kamen uns aber physisch näher und im eifer des gefechts hielt er meinen arm ein wenig zu vehement fest, so dass er ihn mir beinahe abgerissen hätte. naja, nicht ganz aber es tat schon weh und er hat mir dann als wiedergutmachnug sein feuerzeug geschenkt. wenn ich mich nicht irre, müsste ich es auch immer noch in einem meiner kartons herumliegen haben. nach diesem rugby-vorfall verfielen wir natürlich wieder in konsequentes schweigen, bis er dann einmal vor mir stand und mich zu seinem azubi erklärt hat. er wollte mir zeigen, wie man filmrollen einlegt und dabei haben wir uns das erste mal seit langem wieder normal unterhalten. 

wenn ich mich nicht irre, war dieses kurze gespräch dort im vorführraum unsere letzte unterhaltung. danach ging es für besagte freundin und mich mit großen schritten auf die abschlussprüfung zu, sie gab den job im kino auf und ich habe den herrn kaum noch gesehen und die schwärmerei dann auch irgendwann aufgegeben.

trotzdem hatte ich jahrelang angst davor, ihm irgendwo über den weg zu laufen. jetzt ist die angst weg.

vor zwei jahren schlug ich an einem samstag die zeitung auf und entdeckte eine todesanzeige. es war seine. er ist anfang august gestorben. am kommenden montag wäre er 30 jahre alt geworden. dieser umstand macht mir zu schaffen. die gründe dafür werden vielleicht im nächsten eintrag über ihn deutlich.

[und jetzt muss ich kurz schreiend durchs haus rennen, es kam nämlich grad eine RATTE in meni zimmer] 

 
von Claude
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Dienstag, 2. september 2008 2 02 /09 /2008 17:02
es ist alles erledigt. meckern wird sie sicherlich trotzdem.
von Claude
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Dienstag, 2. september 2008 2 02 /09 /2008 09:57

eine halbe stunde anlaufzeit gönne ich mir noch, dann werde ich mit putzmarathon fortfahren.

:(
von Claude
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Sonntag, 31. august 2008 7 31 /08 /2008 19:00

am dienstag kommt die madame aus dem urlaub zurück, dann ist die hiesige schluderei leider wieder vorbei.

manch ein leser mag sich vielleicht noch daran erinnern, wie die madame bei ihrer rückkehr (von wo auch immer) zu reagieren pflegt. an schlechten tagen (sprich: meistens) spürt man ihre schlechte laune schon, bevor sie auch nur den fuß über die schwelle gesetzt und irgendetwas gesagt hat. an weniger schlechten tagen (sprich: oft) bemerkt man es erst an ihrer überaus enthusiastischen begrüßung. und im normalfall dauert es dann auch nicht mehr lange, bis sich ein beklagenswerter umstand entdecken lässt. an guten tagen (sprich: selten) zieht sie dann nur eine genervte fresse und lässt es damit gut sein, an schlechten tagen (sprich: meistens) folgt der genervten fresse entweder verbalisierter unmut oder aber lautes türenknallen, küchenklappern, getrampel und demonstratives putzen des badezimmers.

aber nach zwei jahren in dieser wohnsituation (wohngemeinschaft kann man es nicht mehr nennen) habe ich einige strategien entwickelt, die mit ein bisschen glück das ganz große drama verhindern können. ich muss einfach nur dafür sorgen, dass die madame bei ihrer rückkehr so rein gar nichts (oder eben möglichst wenig) zu quaken hat und zudem nicht den eindruck gewinnen kann, ich hätte während ihrer abwesenheit lediglich eine kuhle ins sofa gesessen. das ist nämlich scheinbar eine der meinungen, die sie neuerdings über mich zu haben scheint. sie arbeitet sich tot und ich sitze den ganzen tag über eine kuhle ins sofa, während irgendwelche mysteriösen heinzelmännchen ihr alltägliches chaos wieder in einen annehmbareren zustand versetzen.

nun aber zurück zu meiner strategie, die im grunde aus der abarbeitung folgender liste besteht:

  • meine beiden kleinen zimmer oben auf- und umräumen, um die tür offenlassen und so einen blick auf die dort vorherrschende ordnung gewähren zu können
  • unter verwendung von sehr viel geruchsintensiver schmierseife den flur oben sowie die treppe wischen
  • den mülleimer im bad leeren sowie alle dort gelagerten (aber leeren) behältnisse wegwerfen
  • himmel und hölle in bewegung setzen, um die leicht bekalkten scheiben der duschkabine wieder gänzlich sauber zu kriegen (ebenfalls möglichst geruchsintensiv)
  • verwendung von sehr viel essigreiniger für das putzen von waschbecken, badewanne und toilette
  • wieder wischen mit der o. g. schmierseife
  • tapfer den versuch wagen, die in der waschküche verbliebenen hinterlassenschaften in sachen wäsche auf ein möglichst geringes (und möglichst zusammengelegtes) maß zu reduzieren, im klartext heißt das
  • die kiste voller einzelner socken nach sockenpaaren durchsuchen (und diese paare zusammenführen) und zusammen mit den im erdgeschoss verteilten pullis und jacken wieder in besagter kisten versenken, sowie
  • die kiste mit ... den händtüchern? ... ebenfalls von einem wüsten haufen in einen stapel zusammengelegter dinge verwandeln
  • die dritte kiste mit krempel auf inhalt überprüfen und volumenmäßig reduzieren
  • das herumfliegende leergut entsorgen
  • neue spülmaschinentabs kaufen
  • den gefrierschrank ausmisten
  • den gelben sack wieder in den sackhalter (sprich: müllbeutelständer) basteln
  • mülltüten für den küchenmülleimer finden
  • den küchenmülleimer endlich mal richtig auswaschen, um den ekligen gestank zu vermeiden
  • o. g. mülleimer auf der terrasse trocknen lassen
  • kaffeepulver in den kühlschrank stellen, um den gestank zu eliminieren
  • die notiztafel abwischen und dabei auf gar keinen fall die heilige telefonnummer beseitigen
  • die angesammelte post säuberlich auf den küchentisch stapeln
  • eine gut leserliche liste der entgangenen anrufe erstellen und dabei
  • auf gar keinen fall notieren, dass der heilige ex nächste woche nochmal anrufen wollte
  • möglicherweise die topflappenhandschuhe waschen
  • schranktüren und arbeitsflächen von klebrigen stellen befreien
  • herd und spüle möglichst so putzen, dass sie wirklich sauber sind
  • die dunstabzugshause in einen zustand versetzen, der nicht mehr superklebrig ist
  • die angebrannten irgendwas-reste vom backblech entfernen
  • das backofenrost einer gründlichen überprüfung unterziehen und ggf. reinigen
  • versuchen, den backofen mit hilfe vom soda-reiniger von eingebrannten ekelspuren zu befreien
  • das alte spiel: wischen mit geruchsintensiver schmierseife
  • auch im flur
  • und im windfang
  • den jackenhaufen im windfang auf bügel hängen
  • die indoor-pflanzen gießen oder aber entsorgen
  • sterbliche überreste der indoorpflanzen entsorgen
  • vielleicht besser auch mal die pflanzen auf der terrasse mit wasser erfreuen und von welkzeug befreien
  • den rasen mähen
  • im wohnzimmer staubsaugen
  • bei den fliesen vorm kamin: schmierseife und so...
  • den kaputten dvd-player wieder anschließen
  • meinen heilen dvd-player in meinem zimmerchen wieder anschließen
  • das bügelbrett zurück ins büro stellen (und zwar ohne vorher irgendwas gebügelt zu haben)
  • staubwischen auf dem klavier
  • und auch auf dem fernsehbildschirm
  • den couchtisch abwischen (ohne schlieren auf dem glas zu hinterlassen)
  • das gäste-wc... naja... essigreiniger, schmierseife, blablabla...
  • meine bequemklamotten durch die waschmaschine schicken
  • die madame´sche wolldecke ebenfalls unter verwendung von sehr viel waschpulver waschen
  • die spülmaschine dienstag über tag laufen lassen, damit sie abends möglichst leer ist
  • die nötigsten lebensmittel für den ersten abend daheim einkaufen (chips? bier? mh...
  • brille putzen


tja... daaaaaaaaaaaa kommt freude auf. ich werde dann jetzt erstmal meine klamotten waschen und dann zusehen, dass das zweite zimmer oben seinen endzustand erreicht. das fernsehprogramm vor 22 uhr ist zum glück so öde, dass ich mich nebenbei mit gutem gewissen um diverse wäscheberge kümmern könnte. oh... und dann ist da ja auch noch das backofenexperiment. yay.

[erstellt am 31.08.; 19:55 uhr]
[update am 31.08.; 20:37 uhr]
[update am 31.08.; 22:05 uhr]
[update am 02.09.; 09:55 uhr]
von Claude
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Samstag, 30. august 2008 6 30 /08 /2008 23:43
von Claude - veröffentlicht in: lieblingsmusik
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