Donnerstag, 13. november 2008 4 13 11 2008 18:15

bewerbungen sind ja sowohl thema als auch wissenschaft für sich. man kann darüber streiten - und tut es auch.

ein ratgeber straft die zweiten lügen, der personaler widerspricht dem bewerbungscoach und man selbst bleibt dabei über kurz oder lang auf der strecke. obwohl einem ja immer gesagt hat, man soll sich doch bitte mit seiner bewerbung identifizieren können. tja, von wegen! ich habe längst damit aufgehört, mich mit irgendwas bewerbungstechnischem zu identifizieren. ich halte meine anschreiben für unerträgliche anbiederei und meinen lebenslauf für grausam. ich bin nicht stolz auf meine berufliche vergangenheit und ich bin auch nicht stolz auf das, was ich angeblich "kann". eigentlich bin ich gar nicht der mensch, den meine bewerbungen für gewöhnlich widerspiegeln.

und doch habe ich da wohl keine große wahl. ich feile immer wieder an meinem lebenslauf herum, weil man mir das nahelegt. ich versuche, den vorstellungen anderer gerecht zu werden und dabei wenigstens noch einen hauch meines wirklichen ichs zu wahren. ich versuche, mich mit der vorgegebenen marschroute anzufreunden. manchmal gewöhne ich mich mit der zeit ja auch tatsächlich an das, was ich da fabriziert habe. und was habe ich schon alles ausprobiert, nur um den wünschen anderer zu entsprechen. eigentlich macht das bewerben so noch weniger spaß als es das eh schon tut. da werden einem bunte linien oder anderer schnickschnack aufgezwungen und im gleichen atemzug heißt es dann: "sie müssen sich mit ihrer bewerbung identifizieren können." vielleiht kann ich mich aber  nicht damit anfreuen, wenn es da nur noch von albernem schnickschnack wilmmelt. vielleicht ist es mir auch egal, dass der alberne schnickschnack irgendeine psychologische wirkung haben soll.

gerade (und jetzt muss ich hier doch mal ein bisschen jammern und mit der mitleidstour anfangen) als empfänger von ALG II hat man in sachen bewerbung nicht viel zu lachen. natürlich bekommt werden die bewerbungskosten erstattet, aber eben auch nur zu einem teil, nur bis zu einem bestimmten betrag pro jahr und zumindest in meinem fall auch nur unter ganz bestimmten bedingungen. ich soll meine bewerbungen nur mindestens im zehnerpack einreichen und das bitte auch erst dann, wenn ich die absage oder irgendeine andere (schriftliche) rückmeldung vorliegen habe. ich muss also alles erstmal vorschießen und dank unseres bescheuerten postboten auch alle nase lang neue mappen kaufen.
außerdem muss man sich im grunde auch immer noch so ein bisschen davor fürchten, dass die netten leute vom amt (die durchaus auch mal nett und kompetent und toll sein können - aber es eben manchmal auch so gar nicht sind) die eingereichte bewerbung als pseudobewerbung interpretieren und eine kürzung der bezüge veranlassen. denn das ist ja so eine sache mit diesen pseudobewerbungen. als arbeitsloser muss man sich arbeitswillig zeigen und die entsprechenden bemühungen nachweisen. und damit da nichts fehlinterpretiert wird, entspricht die bewerbung dann am ende doch überwiegend den vorstellungen des arbeitsvermittlers.

warum langweile ich mich mit all diesen nutzlosen informationen? weil ich eigentlich eine frage habe.

denn vorhin, auf dem weg in den feierabend, unterhielten wir uns über dieses ewige bewerbungsdrama und sahen uns mit diversen fragen konfrontiert.

was ist besser?

lebenslauf: ausführlich oder doch lieber kurz?
anschreiben: ausführlich, knapp, mit auflistungen oder ohne?
foto: farbe oder schwarz-weiß?
mappe: dreigeteilte faltmappe in gedeckten farben oder doch lieber "durchsichtige" clip-hefter?
stellenanzeigen in der zeitung: sofort abschicken oder lieber wartne, damit die bewerbung nicht im stapel versinkt?
und vor allem: per post oder doch lieber per email?

wie macht ihr das? wie habt ihr das gemacht? wie seht ihr das? und WARUM?
von Claude - veröffentlicht in: bewerbungs [l] / [fr] ust
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Kommentare

Ich habe nicht viel Erfahrung, aber ich haue alles geile in das Anschreiben und sage durch die Blume: Boah, wenn ihr mich nicht nehmt: BÖSER FEHLER! Und der Rest einfach so, dass es den Ansprüchen genügt. Ich persönlich finde das alles äußere das innere komischer aussehen lässt. Hat man das nötig?
Kommentarnr1 gepostet von Supersonic am 13.11.2008 à 23h03
Ich schlage mich ja momentan auch mit diesem Thema rum, wenngleich mein Leidensdruck doch eher unter Luxusproblem abzuheften ist. Zu den Bewerbungen: Ich finde das auch irre schwer abzuwägen - natürlich möchte man gefallen, aber doch nur so, dass man sich mit dieser Bewerbung selbst identifizieren kann. Ich hatte irgendwann April / Mai schon mal eine Bewerbungsrunde gestartet, damals per mail und mich damit von Anfang an nicht wohl gefühlt. Mir fehlt da die Haptik, der sofortige Bezug zu mir. Für mich ist das auch irgendwie Ritual. Schöne Mappen kaufen, gutes Papier aussuchen, Farben abstimmen für die Zwischenblätter ... sowas halt ... Die zweite Runde jetzt Ende Oktober hatte ich halt genau so angearbeitet. Als Mappe finde ich persönlich, die ich gelegentlich auch mit Bewerbungsunterlagen zu tun habe, die besser, in die man das ganze als Stapel reinheften / klemmen kann. Nicht diese dreiteiligen - falls man das mal kopieren muss, nervt das enorm eh man da alles rausgepult hat. Und ich finds auch nicht mal schöner. Und die Personalabteilungen auch nicht. Zumindest die drei, die ich dazu als Referenz heran ziehen kann. Fotos in schwarz-weiß finde ich meistens edler, Farbe ist ganz schwer, meistens wirkt das kasprig. Lebenslauf / Anschreiben: auf den Punkt. kurzes, gutes, gehaltvolles Anschreiben. Bei 200 Bewerbungen hat man keine Lust auf lange Texte mehr. Lebenslauf muss überlebensnotwendigerweise übersichtlich sein. Datum von bis, wo als was, Aufzählung mit Stelleninhalten / Tätigkeiten. Sollte sich hier nicht alles abbilden lassen, was Du kannst: Mach noch eine Extra-Rubrik mit Stärken / sonstigen Fähigkeiten. Was den elektronischen Weg angeht: ich habe jetzt in meine Bewerbungsmappe hinten noch eine CD mit der digitalisierten Version meiner Bewerbungsunterlagen eingeklebt mit dem Vermerk: Falls Sie es intern elektronisch verteilen möchten. Das kam ganz gut an. Dann haben die im Prinzip beides von Dir, ich weiß: zusätzliche Kosten. Aber Online-Bewerbungen sind so flutartig, es ist was anderes, wenn Du eine Mappe in die Hand nimmst. Inzwischen würde ich immer, wenn nicht ausdrücklich eine Online-Bewerbung gefordert ist, eine Mappe schicken. Das ist sososo schwer - darf ich fragen, als was Du Dich bewirbst? Wenn ich sonst helfen kann: Meld Dich!
Kommentarnr2 gepostet von Kerstin am 14.11.2008 à 11h03
In letzter Zeit sind er Herr an meiner Seite und ich ja des öfteren am Überlegen, ob wir nicht nach Deutschland umsiedeln sollten. Bzgl. dem Nachwuchs eigentlich eine Klasse Idee, aber die Tatsache mich dann in Dtld. auf einen Job bewerben zu müssen, macht mir so richtig Angst. Hier in Spanien ist das alles irgendwie viel unkomplizierter und 1000x einfacher. Oft reicht schon ein per Internet eingereichter Lebenslauf ohne Foto! und Mappen wollen die gar nicht haben. Ich bin am Anfang zu Vorstellungsgesprächen immer nochmal mit einer hübschen Mappe erschienen und habe die den Leuten aus der Personalabteilung dann überreicht, weil ich dachte, nur so ein popeliger Lebenslauf per Internet, das kanns doch nicht gewesen sein, aber die haben mir die Mappe dann immer genau so freundlich lächelnd wieder zürückgegeben. Ne, brauchen sie nicht. Ich glaube, wenn ich mich in Dtld. irgendwo bewerben müsste, wäre ich komplett verloren. Ich habe keinen blassen Schimmer, wie so eine Bewerbung aussehen müsste, Standards, Anforderungen, Fotos etc. Na ja, was ich damit sagen will. Ich beneide dich überhaupt nicht und würde dir gerne wünschen, dass das ganze auch in Deutschland einfacher wäre. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es bald doch noch klappt!!! LG Azahar
Kommentarnr3 gepostet von Azahar am 17.11.2008 à 17h58
Geht mir ähnlich wie azahar. Hier reicht eMail Bewerbung und wird auch bevorzugt. Keine Bilder, da ist politisch unkorrekt, keine Mappen und der Lebenslauf ist sowieso völlig anders aufgebaut als in Deutschland. Bin ehrlich gesagt ziemlich planlos, wie eine "gute deutsche" Bewerbung aussieht. Aber ich beschränke immer das Anschreiben auf maximal 1 Seite. Denn Personaler lesen eh nicht mehr und haben auch nicht ewig Zeit.
Kommentarnr4 gepostet von Fudge am 18.11.2008 à 00h15
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